Über mich
Wer bist du und was machst du beruflich? Seit wann bist du beim Software Campus und wer sind deine Partner?
Ich bin Uwe Gropengießer, Doktorand am Telecooperation Lab (TK Lab) der Technischen Universität Darmstadt. Mein wissenschaftlicher Fokus liegt auf verteilten Systemen, Edge- und Cloud-Computing, Softwarearchitekturen – insbesondere Microservices – sowie der dynamischen Anpassung von Anwendungssystemen basierend auf der Qualität ihres Ergebnisses (Quality of Result – QoR). Im Rahmen meiner Promotion erforsche ich Methoden, die die Funktionalität verteilter Dienste unter kritischen Bedingungen sicherstellen, indem systemseitig die Ergebnisqualität intelligent angepasst wird. Ich bin seit Februar 2022 Teilnehmender im Software Campus und habe mein Software-Campus-Projekt im Juni 2025 abgeschlossen. Mein Industriepartner in diesem Vorhaben war Huawei.
Was ist der Inhalt Deines IT-Projektes und wie könnte es zukünftig angewendet werden?
In meinem IT-Projekt (AQuoR – Adaptive QoR für zukünftige Edge-Umgebungen) beschäftige ich mich mit der Herausforderung, Microservice-Ketten in Edge-Umgebungen so zu steuern, dass sie auch unter schwankenden Ressourcen (z. B. wechselnde Auslastung, heterogene Hardware, variable Netzbedingungen) zuverlässig innerhalb vorgegebener Zeitfenster Ergebnisse liefern. Solche Ketten bestehen aus mehreren aufeinander aufbauenden Services, deren Gesamtlatenz und Stabilität stark vom aktuellen Kontext abhängen. KI-basierte Komponenten sind dabei ein naheliegendes, aber nicht zwingendes Beispiel für besonders rechenintensive Services innerhalb solcher Ketten.
Im Projekt untersuche und realisiere ich daher Methoden zur adaptiven Steuerung der Ergebnisgüte (QoR): Zur Laufzeit wird entschieden, welche Kettenvariante bzw. Konfiguration eingesetzt wird, um ein Ziel wie „Deadline einhalten“ zu erfüllen, bei Bedarf durch eine kontrollierte Anpassung der Ergebnisqualität (z. B. weniger aufwendige Verarbeitungsschritte oder alternative Servicevarianten). Grundlage ist eine modellbasierte Beschreibung des Variantenraums (inkl. Abhängigkeiten) sowie eine effiziente Laufzeit-Auswahl, damit Entscheidungen auch in zeitkritischen Situationen schnell und robust getroffen werden können.
Langfristig kann der Ansatz dazu beitragen, dass Edge-Systeme mit Microservice-Architekturen deutlich verlässlicher und wirtschaftlicher betrieben werden: Anwendungen können SLA-/Deadline-konform laufen, ohne dauerhaft überdimensionierte Hardware vorzuhalten, und die Plattform kann dynamisch auf Kontextänderungen reagieren. Das ist insbesondere relevant für Domänen wie Industrie 4.0, Smart City, vernetzte Mobilität oder Robotik, in denen verteilte Services unter realen Randbedingungen stabil, ressourcenbewusst und skalierbar bereitgestellt werden müssen.
Karriere
Was genau hat dich dazu bewegt, in der Informatik Fuß zu fassen?
Computer haben mich schon seit meiner Kindheit fasziniert. Als ich vier oder fünf Jahre alt war, durfte ich meinem älteren Bruder dabei zuschauen, wie er an seinem Computer Reparaturen durchgeführt hat. Die vielen Kabel und einzelnen Bauteile und vor allem die Tatsache, dass am Ende aus all dem etwas Funktionierendes entsteht, das man auf dem Monitor direkt sehen kann, fand ich schon damals unglaublich spannend.
Später habe ich neben der Schule in einem kleinen Betrieb selbst Computer repariert. Dort habe ich nicht nur praktisch gearbeitet, sondern auch viel darüber gelernt, wie diese Systeme unter der Haube tatsächlich funktionieren und warum kleine Details in Hardware und Software am Ende einen großen Unterschied machen können.
Mit Blick auf die großen Herausforderungen unserer Zeit wie demografischer Wandel, Klimawandel und dem Druck auf Ressourcen und Effizienz sind Computersysteme für mich nicht nur nützlich, sondern zunehmend essenziell. Informatik kann an vielen Stellen konkret dazu beitragen, Prozesse besser, sicherer und nachhaltiger zu machen. Gleichzeitig ist mir bewusst, dass digitale Technologien auch Teil neuer Probleme sein können. Gerade diese Balance aus Gestaltungswillen und kritischem Hinterfragen des Status quo ist es, die mich zur Informatik gebracht hat und die mich bis heute motiviert.
Was war die größte Herausforderung, der du dich bisher in deiner Karriere stellen musstest?
Die herausforderndsten Erfahrungen in meiner bisherigen Laufbahn gab es in unterschiedlichen Phasen. Mit Blick auf den Software Campus ist die Promotion sicher die prägendste. Nach fünf Jahren in der Industrie wieder vollständig in das wissenschaftliche Arbeiten einzutauchen, war eine echte Umstellung. Forschung bedeutet, deutlich stärker mit Unsicherheit zu arbeiten, Ergebnisse sehr kritisch zu hinterfragen und über längere Zeiträume fokussiert an einem Thema dranzubleiben, ohne dass der Weg immer klar vorgezeichnet ist. Diese Lernkurve war anspruchsvoll, aber auch sehr wertvoll.
Gleichzeitig habe ich auch in meiner Zeit als Teamleiter bei IAV intensive Herausforderungen erlebt. Dazu gehörten unter anderem Kurzarbeitsthemen während der Corona-Zeit, schwierige Situationen in der Projektabwicklung und Personalfragen, bei denen man fachlich und menschlich gleichermaßen gefordert ist. Gerade in solchen Situationen lernt man, Verantwortung zu übernehmen, Prioritäten zu setzen und auch unter Druck handlungsfähig zu bleiben.
Rückblickend möchte ich keine dieser Erfahrungen missen. Ich sehe Herausforderungen grundsätzlich als Teil des Lernens. Was sich heute besonders schwierig anfühlt, wird morgen oft schon zur Routine, sofern man bereit ist, daraus konsequent zu lernen und sich weiterzuentwickeln.
Wie definierst du Erfolg?
Erfolg bedeutet für mich, dass aus einer Idee oder einem Vorhaben etwas entsteht, das Wirkung hat und Bestand haben kann. Auf einer praktischen Ebene heißt das: Ich habe ein Ziel klar verstanden, die richtigen Prioritäten gesetzt und es verlässlich erreicht, idealerweise so, dass es auch für andere anschlussfähig ist und langfristig Nutzen stiftet. Gleichzeitig gehört für mich dazu, auf dem Weg dorthin fair zu bleiben, Verantwortung zu übernehmen und aus Rückschlägen sichtbar zu lernen.
Erfolg bedeutet für mich nicht nur persönliche Zielerreichung. Erfolg kann auch darin liegen, Entwicklung zu sehen und mitzuerleben, etwa wenn mein Kind zum ersten Mal läuft. Solche Momente zeigen Fortschritt und Wachstum, ohne dass sie an berufliche Leistung gebunden sind. Entscheidend ist für mich, dass etwas entsteht, das Wert hat, für mich selbst oder für andere.
Persönlichkeit
Welche Werte und/oder Charaktereigenschaften findest du bei Personen in Führungsposition fundamental?
Für Menschen in Führungspositionen sind aus meiner Sicht vor allem Werte und Charaktereigenschaften entscheidend, die Orientierung geben und Vertrauen schaffen. Gerade wenn man sich umschaut, sieht man immer wieder, dass Lautstärke, Aggressivität oder reine Machtlogik kurzfristig Wirkung entfalten können, langfristig aber fast immer zu Polarisierung, Angstkultur und schlechten Entscheidungen führen. Umso wichtiger ist es, Führung nicht mit Dominanz zu verwechseln, sondern mit Verantwortung.
Für mich stehen deshalb drei Punkte im Zentrum: Integrität, Ehrlichkeit und Klarheit. Integrität bedeutet, dass Handeln und Aussagen übereinstimmen und dass man zu Zusagen steht, auch wenn es unbequem wird. Ehrlichkeit heißt nicht schonungslose Härte, sondern transparente Kommunikation, realistische Einordnung von Situationen und der Mut, Unsicherheiten oder Fehler nicht zu kaschieren. Klarheit bedeutet, dass ein Leader weiß, wofür er steht, Entscheidungen begründen kann und Erwartungen nachvollziehbar macht.
Ein weiterer zentraler Aspekt ist Konflikt- und Problemlösungsfähigkeit. Dazu gehört, Missstände früh und direkt anzusprechen, statt sie zu umschiffen oder auszusitzen. Gute Führung „eiert“ nicht herum, sondern benennt Probleme präzise, schafft einen Rahmen für Lösungen und übernimmt Verantwortung für die Konsequenzen. Gleichzeitig braucht es Empathie und Respekt, weil nachhaltige Leistung in Teams nur entsteht, wenn Menschen sich gesehen fühlen und psychologische Sicherheit vorhanden ist.
Am Ende ist für mich ein echter Leader jemand, der Orientierung gibt, Verantwortung trägt, andere befähigt und dabei konsequent wertebasiert handelt, auch dann, wenn der einfachere Weg gerade in die andere Richtung führt.
Neben dem Job – wofür schlägt dein Herz?
Meine Familie ♥ 😊
Einfluss
Wenn du alle Menschen mit einem Satz erreichen könntest, was würdest du der Welt sagen?
Behandle andere so, als hättest du nur diesen einen Moment, um die Beziehung zwischen euch ein kleines Stück besser zu machen.
Welche App/technische Erfindung ist für dich unverzichtbar?
Auf diese Frage würde ich vermutlich in jedem Lebensabschnitt anders antworten. Aktuell, mit Kind, sind für mich Innovationen besonders essenziell, die den Alltag wirklich erleichtern, etwa Geräte, die Babyfläschchen automatisch mischen und auf die richtige Temperatur bringen. Gleichzeitig gibt es technische Erfindungen, die man im Alltag kaum wahrnimmt, die aber in kritischen Momenten Leben schützen, zum Beispiel Airbags und moderne Fahrzeugsicherheitssysteme.
Wenn ich mich trotzdem auf eine grundlegende technische Innovation festlegen müsste, wäre es für mich die dezentrale, maschinenbasierte Datenverarbeitung, also Edge-Computing. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass Systeme auch dann zuverlässig, schnell und datenschutzfreundlich funktionieren, wenn nicht alles in die Cloud ausgelagert werden kann. Genau diese Fähigkeit wird in immer mehr Bereichen zum Rückgrat moderner Anwendungen, von Mobilität bis Industrie.
Ausgangssprache dieses Interviews: Deutsch
