Javier Acevedo

Wer bist Du und was machst Du? Wer sind Deine Partner?

Ich bin Javier Acevedo und Doktorand am Lehrstuhl für Kommunikationsnetze der Deutschen Telekom an der TU Dresden. Ich arbeite an der Entwicklung von Hardwarebeschleunigern für Signalverarbeitungsalgorithmen in 5G und 6G.

Seit wann bist Du beim Software Campus und warum bist Du im Programm?

Ich bin dem Programm im Jahr 2022 beigetreten und die Motivation für die Bewerbung bestand darin, ein Forschungsprojekt zu leiten, das einen Mehrwert für die Gesellschaft schaffen kann. Um dieses Ziel zu erreichen, habe ich recherchiert, was branchenführende Unternehmen untersuchen, und einen Projektvorschlag mit Schwerpunkt auf der Hardwarebeschleunigung für die drahtlose Kommunikation mithilfe neuer und Open-Source-Architekturen wie RISC-V entworfen.

Was versprichst Du Dir vom Software Campus?

Ich erwarte vom Programm, dass ich ein Netzwerk wirklich kluger Leute aufbaue, mit denen ich meine Ideen teilen und unterschiedliche Perspektiven sowohl in der Forschung als auch im Unternehmertum einnehmen kann.

Ehrlich gesagt ist es für mich faszinierend zu sehen, wie Unternehmen bereit sind, ihre Forschungsschwerpunkte zu präsentieren, und dabei konnte ich entdecken, dass Produkte, die ich noch nie gesehen habe, die Spitzenposition in der Branche einnehmen.

Was ist der Inhalt Deines IT-Projektes und wie könnte es zukünftig angewendet werden?

Für dieses Projekt beabsichtigen wir Erweiterungen der Befehlssatzarchitektur zu entwickeln, um die Berechnung von Kanalschätzung Algorithmen für 5G zu beschleunigen. Für die Kanalschätzung gelten strenge Echtzeitanforderungen. Daher müssen Daten verfügbar sein, um Entscheidungen über die Leistungsübertragung in einer drahtlosen Verbindung treffen zu können. Dennoch ist die Kanalschätzung eine rechenintensive Aufgabe mit zahlreichen Matrixmultiplikationen und -inversionen und erfordert folglich eine spezielle Hardware, um die Informationen über den Kanal im laufenden Betrieb zu berechnen. Mit den RISC-V ISA-Erweiterungen wollen wir beurteilen, unter welchen Bedingungen die Hardwarebeschleunigung die Anforderungen zur Berechnung der Kanalinformationen erfüllt.

Verbinden Dich lustige/aufregende/überraschende/Erinnerungen mit der Informatik? Was fasziniert Dich an der Informatik?

Die Informatik stellt jeden Tag eine andere Herausforderung dar, die aus unterschiedlichen Perspektiven angegangen werden kann. Daher geht es in der Informatik nicht nur um Programmiertechniken, sondern auch um die Argumentation, die Code in die Lage versetzt, Probleme zu lösen.

Was mich an diesem Thema wirklich fasziniert, ist, dass man Maschinen mit Rechen- und Netzwerkfähigkeiten ausstatten kann, um physikalische Prozesse zu steuern, beispielsweise die Datenübertragung über drahtlose Verbindungen.

Hat Dich eine Persönlichkeit aus der Informatik oder dem Management besonders beeindruckt?

Ich würde sagen, ich habe zwei: Erstens Linus Torvalds. Ich denke, dass Torvalds per Definition für technische Exzellenz steht und zu der Art von Mensch gehört, der einem keinen Respekt entgegenbringt, wenn man ihn sich nicht verdient. Dann drängt er einen implizit dazu, besser zu werden. Ohne den Linux-Kernel und Git wären Softwareprojekte nicht so, wie sie heute sind.

Zweitens würde ich Werner Voegels für seine Rolle als technischer Leiter von AWS und seine Arbeit in verteilten Systemen loben.

Gibt es für Dich „die“ Eigenschaft, die ein/e Top-Manager*in Deiner Meinung nach heute mitbringen muss, um erfolgreich zu sein?

Im IT-Bereich muss ein Manager auch über technische Kompetenzen verfügen, um technische Projekte leiten zu können. Bloße Rhetorik würde es unmöglich machen, hochqualifizierte Mitarbeiter einzustellen und zu leiten, die eine klare Richtung benötigen, um komplexe Aufgaben unter Druck ausführen zu können.

Was war die größte Herausforderung, der du Dich bisher in Deiner IT-Karriere stellen musstest?

Software-Ingenieur*innen über die Vorteile der Hardwarebeschleunigung aufzuklären, dass die Anforderungen vieler Anwendungen an niedrige Latenzzeiten erfüllt werden müssen. Normalerweise werden Hardwarebeschleuniger als weiße Elefanten betrachtet, eine Übertreibung, die darauf hinweist, dass Hardware etwas zum Programmieren und Entwerfen ist. Nichtsdestotrotz, mit der Zunahme rechenintensiver Anwendungen können reine Softwarelösungen die Anforderungen nicht mehr erfüllen.

Stell Dir vor: Internet breakdown für 1 Monat – was machst Du?

Es gibt zwei Projekte, mit denen ich mich gerne beschäftigen würde: Seit langem bin ich daran interessiert, etwas über „the Austrian School of Economics” zu lernen. Deshalb würde ich zum einen die Zeit damit verbringen, um das Buch ” Wealth of Nations from Mises and the Road for Serdorm ” von Hayek zu lesen.

Zum anderen interessiere ich mich schon seit längerem für die Gentechnik, seit DeepMind das AlphaFold veröffentlicht hat.

Wofür schlägt Dein Herz – neben Job und Software Campus?

Seit einiger Zeit bin ich ein echter Opernfan, und ich habe das Glück die Semperoper hier in Dresden zu haben. Ich glaube, ich werde dadurch ein Fan der russischen Sprache.

 

Originalsprache dieses Interviews: Englisch & Deutsch